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Mit dem SC Aadorf den idealen Verein gefunden

Die 84. Generalversammlung des Sportclubs Aadorf war geprägt von einem wohl einmaligen Ereignis in einer Clubgeschichte, vielleicht sogar schweizweit: Eine komplette Mannschaft aus Münchwilen fand in Aadorf eine neue Heimat.

 

AADORF – Unter den 107 Anwesenden im Kleinkunstsaal des Aadorfer Gemeindezentrums stach eine Gruppe von 22 jungen Männern in blauen Trainingsanzügen besonders ins Auge. Im Verlaufe der Generalversammlung wurden diese mit Applaus willkommen geheissen und in den Verein aufgenommen. Sportchef Patrick Bitzer dazu: „Nachdem mit dem FC Münchwilen eine weitere Zusammenarbeit aus verschiedenen Gründen nicht mehr in Aussicht stand, ersuchte das Team von Cheftrainer Leo Ceretti um eine Integration beim Sportclub Aadorf. Der Münchwiler bedankte sich für die gastliche Aufnahme und beteuerte, dass sich die Mannschaft K3 (Kameradendrü), ganz in den Dienst des neuen Vereins stellen und keine selbständige Abteilung bilden würde. Mit wöchentlich zwei Trainings strebe man auch sportliche Ziele an, nämlich sich im oberen Drittel der 5. Liga zu behaupten. Dazu kann der Tatbeweis gleich in der Rückrunde angetreten werden, da sich in der Gruppe eine Mannschaft aus dem Wettbewerb zurückgezogen hatte.

SCA auf gesunden Füssen
In seinem 22. Amtsjahr blickte Präsident Hans-Jörg Schaub auf ein erfolgreiches Jahr zurück und beschränkte sich in seinem Jahresbericht auf das Wesentliche: Insgesamt standen 14 Teams mit über 100 Aktiven, Senioren 30+ und 40+ sowie 200 Junioren und Kinderfussballern im Einsatz. Für den geregelten Spielbetrieb machte sich Clemens Bürkler schon seit 33 Jahren verdient. Überhaupt ist Kontinuität im Verein eine Konstante. Nicht nur beim Präsidium, sondern auch im elfköpfigen Vorstand, der von Rücktritten verschont blieb. Mit sieben aktiven Schiedsrichtern wird das vom Verband auferlegte Kontingent sogar mehr als erfüllt. Der Kiosk – neben den Turnieren und anderen Veranstaltungen eine wichtige Einnahmequelle – wird weiterhin in eigener Regie mit 15 Personen geführt. Die Fassade und Innenwände der angrenzenden Pergola wurden erneuert. Dank Eigenarbeit und finanzieller Unterstützung der Supporter ist der Raum behaglicher und energiefreundlicher geworden.
Bei derlei günstigen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass Finanzchef Daniel Keller einen beträchtlichen Umsatz auswies und dabei einen Gewinn verbuchen konnte. Für nächstes Jahr ist ein Vorschlag von 1‘300 Franken budgetiert. Revisor Urs Schaufelberger, auch schon im 28. Amtsjahr, bestätigte die seriöse Buchführung. Mit der Gemeinde wurde auf Beginn 2018 ein neuer Mietvertrag ausgehandelt: Die gesamten Mietkosten betragen 6‘000 Franken, nämlich für das Clubhaus  1‘500, für die Garderoben 2‘500 und für die Aussenplätze 2‘000 Franken.

Sport und  Gesellschaft
Aus dem Jahresprogramm ist auszugsweise zu entnehmen, dass der SCA, getreu den Anfängen aus den Gründerjahren, sich auch dem gesellschaftlichen Dorfleben verpflichtet fühlt:  25. April: CS-Cup für Schüler, 30. April: Supporter-Vereinigung besucht „Montag-Blues, 15./16./17.Juni: Turniertage (Schüler, Sie&Er, Fussball&Jassen), 9. bis 13. Juli: Axpo-Fussballcamp mit Bernd Voss, 23. September: TKB-Juniorentag (E11, FE13, FE14), 17./18. November: Aadorfer Hallenfussballturnier, 10. Februar 2019: Fasnachtsumzug.
KURT LICHTENSTEIGER

84. Generalversammlung

„Er ist für mich ein „halber“ Papi“

„Er ist für mich ein „halber“ Papi“

Unter den Anbietern von Fussball-Camps nimmt jenes von „Axpo by Bernd Voss“ eine führende Stellung ein. Bei jährlich über 4‘500 Kindern ist Aadorf mit derzeit 156 Beteiligten schweizweit erneut der beliebteste aller 45 Standorte.

 

Auf ihren blauen Leibchen prangen grosse Rückennummern, darüber etwa die Namen Yannik, Justin, Jason, Noé, Xenia, Lias, Keemo, Leon und Jamie. So unterschiedlich diese Bezeichnungen sind, so verbindend ist ihre Vorliebe zum Fussball. In Hosen, die bis über die Knie herunter reichen, jagen die 5- bis 15-jährigen Buben und Mädchen den Bällen nach. Die Kids kommen aus dem gesamten Kanton Thurgau und dem angrenzenden Kanton St.Gallen, nicht aber aus dem grenznahen Kanton Zürich, wo die Ferien noch nicht begonnen haben. Deshalb – und weil gleichzeitig auch das Pfarreilager stattfindet - hält sich die Teilnehmerzahl in vertretbaren Grenzen. In Aadorf sind es während der ersten Ferienwoche wiederum über 156 Kinder, die ihre Leidenschaft mit grosser Spielfreude ausdrücken. Ein Eindruck, der selbst aussenstehende Betrachter immer wieder ins Staunen versetzen lässt. Nicht nur das, sondern auch die Art und Weise, wie es gelingt, die anscheinend wilde Horde zu bändigen. Musik und klare Durchsagen über den Lautsprecher sind dazu hilfreiche Elemente, worüber sich allerdings vereinzelte Anwohner beklagen.

In verschiedenen Rollen
Unangefochtener Leader des sogenannten „Axpo Fussball- und Erlebniscamps“ ist Bernd Voss. Der Deutsche ist mehr als nur sportlicher Leiter, sondern übt die Rolle als Dompteur, Showmaster, Comedian, Zampano und Vaterfigur aus, was ihn geradezu zu einem Liebling aller macht. Der sechsjährige Münchwiler Pascal Eggmann bezeichnet ihn gar als „halben“ Papi. Dabei zählt Voss auf 15 Trainer und Trainerinnen, überwiegend aus dem nördlichen Nachbarland. Gleichzeitig findet auch noch ein Camp in Vaduz und Rheinfelden statt. „Vor 16 Jahren, als ich mit der Leitung begonnen habe, waren es jährlich 1‘100 Kinder, heute ist die Teilnehmerzahl auf 4'600 gestiegen. Dabei zeichnet sich ein Trend zu jüngeren Jahrgängen ab“, sagt Bernd Voss. Ein Blick über die Fussballfelder „Unterwiesen“, wo zahlreiche Dreikäsehochs am Werk sind, bestätigt diese Aussage. Der Hort, wo Kinder von morgens 10 Uhr bis gegen abends 18 Uhr bestens aufgehoben sind, kostet die Eltern rund 300 Franken. Zur Betreuung kommen gesunde Verpflegung sowie eine komplette Ausrüstung mit Leibchen, Hosen, Stulpen, Trinkflasche und ein Ball hinzu. Ausserdem gibt es Pokale und Diplome für gute Leistungen zu gewinnen.

Einst Teilnehmer, jetzt Trainer
Operativer Leiter ist der einstige Nationaltorwart und ex-GC Goalie Stefan Huber, der neben den Teilnehmenden die 37 involvierten Trainer und Trainerinnen administriert. Zum achten Mal teil nimmt der 16-jährige Aadorfer Fabio Hasler, zum dritten Mal bereits in der Rolle als Trainer. „Einen besseren Ferienjob als einsatzfreudige Kinder zu trainieren gibt es nicht. Es macht Spass und ist erst noch lukrativ. Die Kinder profitieren von mir und ich von ihnen. Was ich als Teilnehmer gelernt habe, versuche ich weiterzugeben“, sagt der Absolvent der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen und Fussballer der U-18 des FC Winterthur. Fabienne Nick aus Münchwilen ist eine der nur drei Teilnehmerinnen. Weshalb es dieses Jahr so wenige Mädchen sind, lässt sich nicht erklären. „Ich bin zum vierten Mal hier, und es hat mir immer besser gefallen. Ich werde von den Buben voll akzeptiert, was ich besonders schätze. Es ist mein Ziel, etwas Neues dazu zu lernen und solange wie möglich Fussball zu spielen“, sagt die 15-jährige Spielerin, die es bereits in die St.Galler Auswahl geschafft hat. Der 15-jährige Niko Bieli aus St.Gallen wohnt diese Woche bei einer befreundeten Familie in Guntershausen. „Mir gefällt alles: Die vielseitigen Übungen machen Spass, man lernt viel und wird nicht gleich kritisiert, wenn man einen Fehler macht. Gut finde ich zudem die strikten Regeln und das freundliche Klima“, sagt der C-Junior des FC Speicher.

 

KURT LICHTENSTEIGER