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„Er ist für mich ein „halber“ Papi“

„Er ist für mich ein „halber“ Papi“

Unter den Anbietern von Fussball-Camps nimmt jenes von „Axpo by Bernd Voss“ eine führende Stellung ein. Bei jährlich über 4‘500 Kindern ist Aadorf mit derzeit 156 Beteiligten schweizweit erneut der beliebteste aller 45 Standorte.

 

Auf ihren blauen Leibchen prangen grosse Rückennummern, darüber etwa die Namen Yannik, Justin, Jason, Noé, Xenia, Lias, Keemo, Leon und Jamie. So unterschiedlich diese Bezeichnungen sind, so verbindend ist ihre Vorliebe zum Fussball. In Hosen, die bis über die Knie herunter reichen, jagen die 5- bis 15-jährigen Buben und Mädchen den Bällen nach. Die Kids kommen aus dem gesamten Kanton Thurgau und dem angrenzenden Kanton St.Gallen, nicht aber aus dem grenznahen Kanton Zürich, wo die Ferien noch nicht begonnen haben. Deshalb – und weil gleichzeitig auch das Pfarreilager stattfindet - hält sich die Teilnehmerzahl in vertretbaren Grenzen. In Aadorf sind es während der ersten Ferienwoche wiederum über 156 Kinder, die ihre Leidenschaft mit grosser Spielfreude ausdrücken. Ein Eindruck, der selbst aussenstehende Betrachter immer wieder ins Staunen versetzen lässt. Nicht nur das, sondern auch die Art und Weise, wie es gelingt, die anscheinend wilde Horde zu bändigen. Musik und klare Durchsagen über den Lautsprecher sind dazu hilfreiche Elemente, worüber sich allerdings vereinzelte Anwohner beklagen.

In verschiedenen Rollen
Unangefochtener Leader des sogenannten „Axpo Fussball- und Erlebniscamps“ ist Bernd Voss. Der Deutsche ist mehr als nur sportlicher Leiter, sondern übt die Rolle als Dompteur, Showmaster, Comedian, Zampano und Vaterfigur aus, was ihn geradezu zu einem Liebling aller macht. Der sechsjährige Münchwiler Pascal Eggmann bezeichnet ihn gar als „halben“ Papi. Dabei zählt Voss auf 15 Trainer und Trainerinnen, überwiegend aus dem nördlichen Nachbarland. Gleichzeitig findet auch noch ein Camp in Vaduz und Rheinfelden statt. „Vor 16 Jahren, als ich mit der Leitung begonnen habe, waren es jährlich 1‘100 Kinder, heute ist die Teilnehmerzahl auf 4'600 gestiegen. Dabei zeichnet sich ein Trend zu jüngeren Jahrgängen ab“, sagt Bernd Voss. Ein Blick über die Fussballfelder „Unterwiesen“, wo zahlreiche Dreikäsehochs am Werk sind, bestätigt diese Aussage. Der Hort, wo Kinder von morgens 10 Uhr bis gegen abends 18 Uhr bestens aufgehoben sind, kostet die Eltern rund 300 Franken. Zur Betreuung kommen gesunde Verpflegung sowie eine komplette Ausrüstung mit Leibchen, Hosen, Stulpen, Trinkflasche und ein Ball hinzu. Ausserdem gibt es Pokale und Diplome für gute Leistungen zu gewinnen.

Einst Teilnehmer, jetzt Trainer
Operativer Leiter ist der einstige Nationaltorwart und ex-GC Goalie Stefan Huber, der neben den Teilnehmenden die 37 involvierten Trainer und Trainerinnen administriert. Zum achten Mal teil nimmt der 16-jährige Aadorfer Fabio Hasler, zum dritten Mal bereits in der Rolle als Trainer. „Einen besseren Ferienjob als einsatzfreudige Kinder zu trainieren gibt es nicht. Es macht Spass und ist erst noch lukrativ. Die Kinder profitieren von mir und ich von ihnen. Was ich als Teilnehmer gelernt habe, versuche ich weiterzugeben“, sagt der Absolvent der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen und Fussballer der U-18 des FC Winterthur. Fabienne Nick aus Münchwilen ist eine der nur drei Teilnehmerinnen. Weshalb es dieses Jahr so wenige Mädchen sind, lässt sich nicht erklären. „Ich bin zum vierten Mal hier, und es hat mir immer besser gefallen. Ich werde von den Buben voll akzeptiert, was ich besonders schätze. Es ist mein Ziel, etwas Neues dazu zu lernen und solange wie möglich Fussball zu spielen“, sagt die 15-jährige Spielerin, die es bereits in die St.Galler Auswahl geschafft hat. Der 15-jährige Niko Bieli aus St.Gallen wohnt diese Woche bei einer befreundeten Familie in Guntershausen. „Mir gefällt alles: Die vielseitigen Übungen machen Spass, man lernt viel und wird nicht gleich kritisiert, wenn man einen Fehler macht. Gut finde ich zudem die strikten Regeln und das freundliche Klima“, sagt der C-Junior des FC Speicher.

 

KURT LICHTENSTEIGER